Was gehört zu Deutschland? Je länger die Diskussion um die Aussage »Der Islam gehört zu Deutschland« geht, umso befremdlicher scheint dieser Satz. Was heißt das eigentlich? Das Christentum gehört zu Deutschland, das Judentum – ja und der Atheismus auch. Oder meinen wir nicht was ganz anderes? Dieses Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff habe ich seinerzeit als ein Willkommen für Muslime verstanden, weil die Gesellschaft ihnen gegenüber immer kritischer wurde. Was wundert’s angesichts der Nachrichten aus der radikal-islamistischen Welt. Das Willkommen muss heute mehr den je betont werden – aber nicht nur für Muslime, auch für Christen, Jesiden, Buddhisten, Bahai …
Es geht zunächst um Menschen, die bei uns und mit uns leben – wollen oder müssen, weil sie keine Heimat mehr haben. Und sie dürfen – Gott sei Dank – ihren Glauben oder Nicht-Glauben in unserem Land bekennen. Mit einer Einschränkung: Es muss gewährleistet sein, dass Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaften und Staat getrennt bleiben, dass das Grundgesetz als staatliche Ordnung über allem steht und für jede Vereinigung gilt, ganz gleich ob religiös oder nicht. Und damit sind Regeln, die den Gesetzen der Bundesrepublik entgegenstehen oder sie gar verletzen, nicht zu dulden. Die Ziele des »Islamischen Staats« gehören dazu wie die von anderen Extremisten. Das staatliche Gesetz gilt für jeden ohne Unterschied.
Ja, das Grundgesetz und die Religionsfreiheit gehören zu Deutschland – und das ist das allerwichtigste für das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen. Es wäre ein Traum, wenn eines Tages Synagoge, Kirche und Moschee nebeneinander stehen und sich niemand darüber aufregt. Weil es ganz selbstverständlich ist in unserem Land, Frieden zu leben – wie Christus es den Seinen bezeugt.
Dietlind Steinhöfel